Zeitmanagement

Es ist nicht wenig Zeit, die wir haben, sondern viel Zeit, die wir nicht nutzen. (Seneca)

 

Was unterscheidet erfolgreiche Schüler von weniger erfolgreichen? Der Unterschied, der den Unterschied macht, liegt oftmals neben der inneren Haltung und Einstellung zum Lernen in einem effektiven Zeitmanagement. Erfolgreiche Schüler planen ihre Zeit wirksam.

 

Doch was heißt das jetzt genau?

Willst du deine Zeit sinnvoll planen, plane schriftlich. Termine, die wir schwarz auf weiß festgehalten haben, lassen sich nicht so leicht vergessen oder verdrängen. Außerdem hat es noch einen positiven Nebeneffekt, denn schriftlich fixierte Tages- oder Lernziele haben eine wesentlich höhere Zugkraft. Teste es einmal selbst, dass was wir aufschreiben, entfaltet eine ganz andere Kraft als ein bloßer Gedanke.

Dies belegte auch eine Langzeitstudie der amerikanischen Harvard University zum Werdegang ihrer Studienabgänger. 83% der Absolventen hatten sich keine konkreten Ziele für ihre Karriere gesetzt. Das durchschnittliche Einkommen dieser Gruppe wurde als Vergleichsgrundlage herangezogen. 14 % der Studienabgänger hatten zwar eine klare Zielsetzung, haben diese aber nicht schriftlich festgehalten. Sie verdienten zehn Jahre nach ihrem Abschluss im Schnitt das Dreifache wie die Absolventen der Vergleichsgruppe. 3% der Studienabgänger hatten nicht nur klare Ziele, sie hatten diese auch schriftlich fixiert und sie verdienten im Schnitt zehnmal so viel wie die Absolventen der Vergleichsgruppe.

 

Was können wir also daraus lernen?

Lege deine (Lern-)ziele schriftlich fest, dadurch werden sie verbindlicher und du entwickelst mehr innere Klarheit. Durch das schriftliche Formulieren wirst du deutlich, konkret, positiv und gehst bereits den ersten Schritt in Richtung zur Realisierung deines Ziels. Erste Überlegungen werden laut, wie kannst du es umsetzen, was musst du tun, was könnte wichtig dabei werden? Selbstredend macht es Sinn auch diese Überlegungen in einer Art Handlungsplan schriftlich festzuhalten. Darin kannst du dann auch Erfolge notieren, was gut gelaufen ist oder wo du gegebenenfalls noch nachsteuern musst, um wieder auf den Weg zu deinem Ziel zu kommen.
Ganz praktisch bedeutet dies, alle relevanten Schultermine in deinem Terminkalender einzutragen, außerdem gehören wichtige Freizeit- und Privattermine ebenso wie die Pausenzeiten in deine Übersicht. Dadurch behältst du immer den Überblick, kannst dich rechtzeitig auf Prüfungen, Referate oder Präsentationen vorbereiten und diese dann schrittweise bewältigen. Sinnvoll kann es dabei sein, zu notieren, an welchen Tagen du welche Lernportionen abarbeiten willst. Das hat den Effekt, dass du nicht in Lernstress gerätst und ein Lernberg erst gar nicht entstehen kann.

So ein Lernberg wächst meist heimlich still und leise auf gigantische Höhen an, so dass wir unsere Ziel dabei schnell aus den Augen verlieren können. Viele Lerner denken dann, das schaff ich doch sowieso nicht mehr und geben auf, andere geraten in Panik und werfen alle guten Zeitmanagementaspekte über Bord, um den Berg zu bezwingen und lernen nächtelang durch,  meist mit mäßigem Erfolg. Unser Gehirn hat kaum die Chance, die gelernten Inhalte auch sicher abzuspeichern, so dass wir sie später auch erfolgreich abrufen können. Unsere grauen Zellen brauchen einfach auch die Pausen, um effektiv arbeiten zu können.

Was also tun? Kennst du den Spruch: „Wie isst man einen Elefanten? – Stück für Stück. Genau dies gilt auch für überdimensionale Lernberge. Teile den Berg in Etappen auf, fixiere sie in deinem Lernplan und arbeite dich so Stück für Stück vorwärts. Freue dich über jeden Teilerfolg, denn hier gilt einmal mehr:  der Weg ist das Ziel.

Am besten lässt du aber einen Lernberg erst gar nicht entstehen. Verteile generell deinen Lernstoff in kleinere Einheiten, versuche für Klassenarbeiten nicht alles an einem Tag zu lernen. Unser Gehirn liebt nichts so sehr wie Wiederholung und Abwechslung. Daher ist es sinnvoll, sich kontinuierlich, an mehreren Tagen mit dem Lernstoff zu beschäftigen und am besten immer auf unterschiedliche Art und Weise. Variiere deine Lernformen, wechsele zwischen lesen, zeichnen, gestalten, rechnen, erstelle eine Mindmap, sprich deinen Text aufs Handy oder fertige Karteikarten an.

Kurzum für ein effektives Zeitmanagement plane mit System, realistisch, abwechslungsreich und beginne rechtzeitig. Eine gute Hilfe können dabei auch kleine Erinnerungs-Zeichen in deinem Hausaufgabenheft sein. Jedes Mal, wenn du eine Hausaufgabe schnell und leicht lösen konntest, sie gut verstanden hast, malst du dir an die entsprechende Stelle in deinem Hausaufgabenheft einen Smilie. Hattest du dagegen Schwierigkeiten, hast den Stoff noch nicht richtig verstanden, kommt ein roter Blitz an die Stelle. Später wenn du dich dann auf deine Arbeit vorbereitest, erkennst du schon beim Durchblättern deines Aufgabenheftes, welche Themen du dir dringend noch einmal näher anschauen solltest.

 

Wie wirst du jetzt zu einem erfolgreichen Manager deiner Zeit, wie sollte ein guter Lernplan gestaltet sein?

Zunächst einmal ist er realistisch, d.h. du kannst ihn aus eigener Kraft umsetzen und zwar durch konsequentes Arbeiten. So ein Lernplan ist durchaus mit etwas Zeitdruck versehen, so dass keine Zeit fürs Trödeln oder Aufschieben bleibt, denn gerade dann, wenn die Aufgaben in der eingeplanten Zeit schaffbar sind, wir uns aber dafür etwas anstrengen müssen, haben wir auch ein Erfolgserlebnis. Stecken wir unseren Zeitplan aber zu eng, dass er realistisch betrachtet, kaum zu schaffen ist, kann es schnell passieren, dass wir frustriert und demotiviert aufgeben. Ist der Lernplan dagegen zu weit gehalten und müssen wir nicht konsequent und kontinuierlich daran arbeiten, können wir uns schnell verzetteln und insgeheim wissen wir, dass es keine wirkliche Herausforderung war und können uns so auch nicht richtig über unsere Erfolge freuen. Also du darfst dich ruhig ein bisschen (heraus-)fordern!

Einen Motivationsschub gibt es vielen Lernen, wenn sie die abzuarbeitenden Aufgaben in eine kleine Challenge „verpacken“: Den Übungstest schaffe ich in 30 Minuten, die Matheaufgaben erledige ich in 20 Minuten und das Kapitel lese ich in 15 Minuten durch. Fordere dich dabei selbst heraus, trete in einen Wettkampf mit dir selbst, wirst du es schaffen, die vorgegebene Zeit einzuhalten oder bist du vielleicht sogar noch viel, viel schneller? Dies hilft dir künftig auch, dich besser realistisch einzuschätzen, so dass du dich nicht über- aber auch nicht unterforderst.

 

Oftmals warten viele Lerner gerade bei verhassten Aufgaben, auf den richtigen Zeitpunkt, um damit zu beginnen. Warte nicht darauf, bei leidigen Pflichtaufgaben, gibt es meist nicht den richtigen Zeitpunkt, eine euphorische Grundhaltung stellt sich nur selten ein, es gilt hier, diese Lernpflichten abzuarbeiten wie andere Termine auch.

 

Plane für deine Lernzeit nicht mehr als 90 Minuten am Stück ein, nach ca. 45 – 60 Minuten sollte dann zwingend eine kurze Pause von 5 – 10 Minuten erfolgen. Es gilt die Faustregel „Alter mal 2  ist gleich die Zeit der Konzentrationsfähigkeit“, wobei gesagt nach 60 Minuten für alle Altersgruppen eine kurze Pause folgen sollte. Nach dem zweiten Lernblock ist dann eine längere Pause von 30 Minuten Pflicht, erst dann solltest du dich wieder an den Schreibtisch setzen.

Verplane generell nur 60 Prozent deiner verfügbaren Zeit, die restlichen 40% dienen als Reserve für Unvorhergesehenes, für spontane Unternehmungen und für Pausen. Ja, plane ganz bewusst deine Lernpausen und fixiere sie in deinem Terminplan.

Und ganz wichtig: plane Zeit zum Wiederholen ein, vielleicht markierst du es dir sogar farbig in deinem Kalender als kleine Erinnerungshilfe. Sehr gut eignet sich dafür die Technik des Postvokalisierens – täglich 10 Minuten einem anderen Menschen erzählen, was du gelernt, gelesen, verstanden hast, worum es gerade im Unterricht geht oder Thema in der nächsten Prüfung sein wird und du wirst überrascht sein, wie gut du dich später an das Gelernte erinnern kannst. Das Besondere an dieser Lerntechnik ist, dass du sehr schnell selbst merkst, welche Inhalte du noch nicht ganz verstanden hast und dir noch einmal anschauen solltest.       

Im Folgenden findest du ein Beispiel wie ein Tagesplan aussehen könnte, probiere es doch einmal aus, möglicherweise stellst du dann fest, dass du so viel effektiver, effizienter und produktiver lernen kannst und letztlich wieder mehr Zeit für dich gewinnst.

 

Tagesplan vom …………………

 

Zeit Fach Inhalt geplante Lernzeit Arbeitsform Anmerkungen Schwerpunkte
15-16 Deut. Gedicht lernen 20 min Geschichte zeichnen, Gedicht aufs Handy sprechen gut gelaufen, hat Spaß gemacht die ersten 5 Strophen sitzen schon perfekt, es passt noch nicht in der letzten Strophe, wenn ich die Sachen aufzeichne, klappt es wesentlich besser

 

Gedicht der Erlkönig von Goethe, Kind stirbt
16-17 Ma. Übungsaufgabe 30 min Rechnen, Formeln auf Karteikarten schreiben Schwierigkeit bei dem Lösungsweg Die binomische Formel lautet, Zeichnung

Tagesplan adaptiert nach: Eberhardt Hofmann, Monika Löhle

„Erfolgreich lernen, Effiziente Lern- und Arbeitsstrategien für Schule, Studium und Beruf, Hogrefe Verlag, Göttingen 2012

 

Unter Anmerkungen notierst du die Besonderheiten des Tages, was ist dir gut gelungen und warum, so entdeckst du immer mehr selbst, wie und wann du am besten arbeiten kannst. Du kannst ebenso mit den Dingen verfahren, die noch verbessert werden können. Unter Schwerpunkte notierst du stichwortartig von jedem Lerngegenstand die wichtigsten Bestandteile, all das, was dir am Ende des Lerntages sofort einfällt, so wird das Gelernte noch einmal im Gedächtnis verankert und besser im Langzeitgedächtnis abgespeichert. Hierfür eignet sich auch sehr gut die ABC-Liste.

Und noch ein Tipp – wenn möglich, solltest du deine Hausaufgaben am selben Tag erledigen, da ist der Stoff aus dem Unterricht noch präsent im Kurzzeitgedächtnis und du kannst ihn am Nachmittag ideal festigen.

Und wenn du mal gar keine Hausaufgaben aufhast? Natürlich kannst du dann auch mal etwas weniger tun, aber halte dich erst einmal an deine täglichen Lernzeiten, wiederhole beispielsweise den Stoff aus dem Unterricht, bereite dich auf die Fächer des nächsten Tages vor. Warum? Immer, wenn wir etwas wiederholen verstärken wir die plastische Verbindung zwischen den aktiven Nervenzellen. Das Gehirn entwickelt sich nach Gewohnheiten, die Verhaltensvorgänge laufen dann erst automatisch und später ganz unbewusst ab. Dies gilt für positive Lerngewohnheiten ebenso wie für alte hinderliche Verhaltensmuster. Und es ist verdammt schwierig unbewusste Vorgänge, wie zum Beispiel dem Lernen durch stundenlanges Internetsurfen aus dem Weg zu gehen, loszuwerden. Wenn du dir also so eine unbewusste Lern-Vermeidungs-strategie abgewöhnen willst, funktioniert es am Einfachsten sich eine neue Verhaltensstrategie anzugewöhnen. Und dafür musst du es eine Zeit lang regelmäßig und kontinuierlich tun, damit dieses neue Verhalten zu einer neuen Gewohnheit werden kann, so dass du später gar nicht mehr darüber nachdenkst, sondern es einfach tust.

Willst du also alte hinderliche Lerngewohnheiten verändern, solltest du kontinuierlich dranbleiben. Es hat viel mit Disziplin zu tun, jeden Tag, jede Woche, jeden Monat das Gleiche zu tun! Meist ist es ja nicht schwer herauszufinden, was man anders und besser machen könnte, schwierig wird es dann, es kontinuierlich zu tun, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren. Setzte dir dabei kleine Etappenziele, vielleicht setzt du auch kleinere Belohnungen fest, wenn du beispielsweise dein Wochenziel erreicht hast, halte dir dein Ziel vor Augen, wie es sein wird, wenn du effektiv und erfolgreich lernst und so mehr Zeit für dich gewinnst und feiere jeden kleinen Erfolg. Du kannst dir auch Unterstützer suchen, die dich mit einem vereinbarten Zeichen daran erinnern, zu beginnen oder dich zu bestimmten Zeiten abfragen, vielleicht helfen dir auch kleine „reminder“ in Form von Sprüchen, Bildern, Fotos, die dich an dein Ziel erinnern. Und wenn es mal nicht klappt, hadere nicht mit dir selbst, sondern betrachte dies als Rückmeldung: was war anders als sonst, woran könnte es gelegen haben, was kannst du besser machen, was tust du an den Tagen, wenn es richtig rund läuft? So wirst du zum Beobachter deines eigenen Lernprozesses und analysierst die guten Verhaltensweisen ebenso wie die Stolpersteine und kannst gegensteuern.



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